Kindertagespflege

Im Unterschied zu den Kindertageseinrichtungen mit knapp 571.000 pädagogisch Tätigen im Jahr 2016 bildet die Kindertagespflege mit rund 43.500 Tagespflegepersonen nur ein sehr kleines Erwerbssegment innerhalb der Kindertagesbetreuung. Seit 2006 hat die Tagespflege jedoch insbesondere für Kinder unter drei Jahren an Bedeutung gewonnen. Deshalb nimmt das Fachkräftebarometer neben dem Berufsfeld der Kindertageseinrichtungen zusätzlich die Entwicklungen in der Tagespflege in den Blick.

Bundestrend: Anzahl der Kindertagespflegepersonen nimmt leicht ab

Nicht nur in Kindertageseinrichtungen, auch in der Tagespflege sind 2016 mehr Personen tätig als noch zehn Jahre zuvor: Im Zuge des Ausbaus der Betreuungsform erhöhte sich die Zahl der Tagespflegemütter und -väter von 30.400 um rund 13.000 (+43%) auf 43.500. Im Unterschied zum Kita-Personal erreichte die Zahl  der Tagespflegepersonen jedoch 2014 ihren Höchststand und ist seitdem das zweite Jahr in Folge leicht rückläufig (2015: -2%; 2016: -1%).

Die Länder: Fast überall Rückgang im Vergleich zu 2014

Die Entwicklung in den Ländern ist heterogen: Zwar expandierte das Personal in der Tagespflege zwischen 2006 und 2016 in der Mehrzahl der Länder, vor allem in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Gleichzeitig nahm es jedoch in fünf Ländern ab. Besonders deutlich fiel dieser Rückgang in Hamburg aus. Dort sank die Anzahl der Tagesmütter und -väter seit 2006 sogar kontinuierlich.
Seit 2014 zeichnet sich ein länderübergreifender Trend ab: Die Anzahl der Tagespflegepersonen ist in allen Ländern außer in Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt rückläufig.

Bundestrend: Weniger Tagespflegepersonen betreuen mehr Kinder

Zwar ist die Anzahl der Kindertagespflegepersonen seit 2014 leicht rückläufig (2015: -2%; 2016: -1%). Trotzdem wächst die Zahl der betreuten Kinder in Tagespflege seit 2006 ungebrochen – von knapp 60.000 auf 153.000 im Jahr 2016. Hierdurch erhöhte sich die durchschnittliche Anzahl der betreuten Kinder pro Tagespflegeperson von 2,0 im Jahr 2006 auf zuletzt 3,5 Kinder.
Während die  traditionelle, eher am Familienmodell orientierte Ein- und Zwei-Kind-Tagespflege zwischen 2006 und 2016 seltener geworden ist (2006: 71%; 2016: 34%), haben die übrigen Betreuungssettings einer stärker verberuflichten Tätigkeit  an Bedeutung gewonnen.  Den stärksten Zuwachs verzeichnete die Fünf- und  Mehr-Kind-Tagespflege, deren Anteil in der vergangenen Dekade von 8 auf 33% stieg.

Die Länder: Betreuungskapazitäten in allen Ländern ausgeweitet

Der Bundestrend spiegelt sich auch auf Ebene der Länder: In allen Ländern betreute eine Tagespflegeperson 2016 mehr Kinder als 2006. Dennoch unterscheiden sich die Betreuungsrelationen erheblich. So übersteigen die Quoten in Sachsen und Sachsen-Anhalt mit 4,4 Kindern und 4,3 Kindern pro Tagespflegeperson deutlich den Bundesdurchschnitt. Im Gegensatz dazu betreute in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg eine Tagespflegeperson durchschnittlich 2,9 bzw. 3,2 Kinder.
Die Entwicklung zur Viel-Kind-Tagespflege ist insbesondere in den ostdeutschen Ländern vorangeschritten: Im Jahr 2016 betreute dort jede zweite Tagespflegeperson (51%) fünf und mehr Kinder, in Sachsen-Anhalt und Sachsen lagen die Anteile sogar bei 75 und 61%.

Bundestrend: Mehr Personen mit Grundqualifikation

Mit dem Ausbau der Kindertagespflege ist auch die Qualifizierung der Betreuungspersonen vorangeschritten: Im Jahr 2016 verfügte gut jede zweite Tagespflegeperson (51%) über eine Grundqualifizierung im Umfang von mindestens 160 Stunden. 2006 traf dies nur auf 5% zu. Auch der Anteil derjenigen mit abgeschlossener fachpädagogischer Berufsausbildung (mit und ohne Qualifizierungskurs) hat sich um 2 Prozentpunkte auf 30% im Jahr 2016 leicht erhöht. Dagegen ist der Anteil der Tagespflegepersonen rückläufig, die ohne oder mit sehr geringer formaler Qualifikation in diesem Betreuungssegment tätig sind: Knapp ein Fünftel (19%) des Personals in der Kinderpflege blieb 2016 unterhalb der Mindestvoraussetzungen, 2006 waren es allerdings noch 67%.
Trotz der Fortschritte ist das Qualifikationsniveau in der Kindertagespflege immer noch sehr niedrig – insbesondere im Vergleich zum Kita-Personal, das größtenteils eine dreijährige Fachschulausbildung abgeschlossen hat.

Die Länder: Niedriges Qualifikationsniveau in Bayern, Hamburg und Baden-Württemberg

Das Qualifikationsgefüge in der Kindertagespflege ist in den Ländern sehr heterogen. Die meisten Tagespflegepersonen mit fachpädagogischer Berufsausbildung arbeiteten im Jahr 2016 in Sachsen-Anhalt, Berlin und Hamburg, wobei Hamburg bei den Betreuungskräften mit geringer Qualifizierung ebenfalls zu den Spitzenreitern zählt – genauso wie Bayern und Baden-Württemberg. Dennoch ist zwischen 2006 und 2016 in allen Ländern ein Trend zur Höherqualifizierung festzustellen. Dabei ist vor allem der Anteil der Personen mit einem Qualifikationskurs im Umfang von 160 Stunden und mehr stark gestiegen: im Saarland etwa von 0% auf 76%, in Niedersachsen von 4% auf 63% und in Bremen von 2% auf 59%.

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Weiterführende Daten zu Bund und Ländern

Kindertagespflegepersonen
Tab. 3.7: nach Art der Qualifizierung 2006 und 2016 (Anzahl; in %)

Bundestrend: Kindertagespflege in anderen Räumen nimmt zu

Die meisten Kindertagespflegepersonen haben 2016 ihren Arbeitsplatz in der eigenen Wohnung. Ihr Anteil hat sich seit 2006 jedoch von 84 auf 71% reduziert. Im gleichen Zeitraum gewann die Kindertagespflege außerhalb der privat genutzten Räumlichkeiten an Bedeutung und stieg von 5 auf 22%. Tagespflegepersonen, die in einem solchen Setting tätig sind, betreuen im Durchschnitt die meisten Kinder. So lag die Anzahl betreuter Kinder pro Tagespflegeperson in anderen Räumlichkeiten 2016 bei 4,1 und ist damit im Vergleich zur entsprechenden Quote von 3,8 im Jahr 2006 weiter angestiegen.

Die Länder: Tagespflege in privaten Räumen geht in fast allen Ländern zurück

Die Tagespflege in der Privatwohnung der Tagespflegepersonen geht in allen Ländern außer Rheinland-Pfalz zurück. Die Anteile der Tagesmütter und -väter, die in der eigenen Wohnung arbeiteten, bewegten sich zwischen 18 und 31% in Bremen und Sachsen-Anhalt sowie weit über 80% in Hessen und Rheinland-Pfalz. Auch die Tagespflege in der Wohnung des Kindes nahm zwischen 2006 und 2016 in der Mehrzahl der Länder ab.
Dagegen stieg in diesem Zeitraum in allen Ländern der Anteil der Tagesmütter und -väter, die in anderen Räumen tätig waren. In den ostdeutschen Ländern lagen die Personalanteile beträchtlich höher als diejenigen im Westen – mit Ausnahme Hamburgs –, obwohl auch dort deutliche Zuwächse zu verzeichnen sind.