Kindertagespflege

Im Unterschied zu den Kindertageseinrichtungen mit knapp 594.000 pädagogisch Tätigen im Jahr 2017 bildet die Kindertagespflege mit rund 44.000 Tagespflegepersonen nur ein sehr kleines Erwerbssegment innerhalb der Kindertagesbetreuung. Seit 2006 hat die Tagespflege jedoch insbesondere für Kinder unter drei Jahren an Bedeutung gewonnen. Deshalb nimmt das Fachkräftebarometer neben dem Berufsfeld der Kindertageseinrichtungen zusätzlich die Entwicklungen in der Tagespflege in den Blick.

Bundestrend: Anzahl der Kindertagespflegepersonen nimmt wieder leicht zu

Nicht nur in Kindertageseinrichtungen, auch in der Tagespflege sind 2017 mehr Personen tätig als noch elf Jahre zuvor: Im Zuge des Ausbaus der Betreuungsform erhöhte sich die Zahl der Tagespflegemütter und -väter von über 30.400 um rund 13.500 (+44%) auf knapp 44.000. Im Unterschied zum Kita-Personal war die Zahl der Tagespflegepersonen in den Jahren 2015 und 2016 leicht rückläufig (2015: -2%; 2016: -1%). Erst 2017 steigt sie wieder geringfügig (+1%).

Die Länder: Nach leichtem Rückgang wieder Aufwärtstrend in einigen Ländern

Die Entwicklung in den Ländern ist heterogen: Zwar expandierte das Personal in der Tagespflege zwischen 2006 und 2017 in der Mehrzahl der Länder, vor allem in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Gleichzeitig nahm es jedoch in vier Ländern ab. Besonders deutlich fiel dieser Rückgang in Hamburg aus. Dort sank die Anzahl der Tagesmütter und -väter seit 2006 sogar kontinuierlich.

Nachdem in den Jahren 2015 und 2016 die Anzahl der Tagespflegepersonen in allen Ländern außer in Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt rückläufig war, zeichnet sich jetzt in sechs Ländern ein Aufwärtstrend ab: Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der Tagesmütter und -väter etwa in Bayern und Nordrhein-Westfalen um jeweils 7% erhöht.

Bundestrend: Weniger Tagespflegepersonen betreuen mehr Kinder

Zwar war die Anzahl der Kindertagespflegepersonen in den Jahren 2015 und 2016 leicht rückläufig (2015: -2%; 2016: -1%). Dennoch wächst die Zahl der betreuten Kinder in Tagespflege seit 2006 ungebrochen – von knapp 60.000 auf 162.400 im Jahr 2017. Hierdurch erhöhte sich die durchschnittliche Anzahl der betreuten Kinder pro Tagespflegeperson von 2,0 im Jahr 2006 auf zuletzt 3,7 Kinder.
Während die traditionelle, eher am Familienmodell orientierte Ein- und Zwei-Kind-Tagespflege zwischen 2006 und 2017 seltener geworden ist (2006: 71%; 2017: 31%), haben die übrigen Betreuungssettings einer stärker verberuflichten Tätigkeit an Bedeutung gewonnen. Den stärksten Zuwachs verzeichnete die Fünf- und Mehr-Kind-Tagespflege, deren Anteil in der vergangenen Dekade von 8 auf 36% stieg.

Die Länder: Betreuungskapazitäten in allen Ländern ausgeweitet

Der Bundestrend spiegelt sich auch auf Ebene der Länder: In allen Ländern betreute eine Tagespflegeperson 2017 im Durchschnitt mehr Kinder als 2006. Dennoch unterscheiden sich die Betreuungsrelationen erheblich. So übersteigen die Quoten in Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt mit 4,6 Kindern und 4,5 Kindern pro Tagespflegeperson deutlich den Bundesdurchschnitt. Im Gegensatz dazu betreute in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg eine Tagespflegeperson durchschnittlich 3,2 bzw. 3,3 Kinder.

Die Entwicklung, dass eine Tagespflegeperson fünf und mehr Kinder betreut, ist insbesondere in den ostdeutschen Ländern vorangeschritten: Im Jahr 2017 war dies dort bei jeder zweiten Tagespflegeperson (53%) der Fall, in Sachsen-Anhalt und Sachsen lagen die Anteile sogar bei 73 und 64%.

Bundestrend: Mehr Personen mit Grundqualifikation

Mit dem Ausbau der Kindertagespflege ist auch die Qualifizierung der Betreuungspersonen vorangeschritten: Im Jahr 2017 verfügte gut jede zweite Tagespflegeperson (53%) über eine Grundqualifizierung im Umfang von mindestens 160 Stunden. 2006 traf dies nur auf 5% zu. Auch der Anteil derjenigen mit abgeschlossener fachpädagogischer Berufsausbildung (mit und ohne Qualifizierungskurs) hat sich um 3 Prozentpunkte auf 31% im Jahr 2017 leicht erhöht. Dagegen ist der Anteil der Tagespflegepersonen rückläufig, die ohne oder mit sehr geringer formaler Qualifikation in diesem Betreuungssegment tätig sind: 17% des Personals in der Kinderpflege blieb 2017 unterhalb der Mindestvoraussetzungen, 2006 waren es allerdings noch 67%.
Trotz der Fortschritte ist das Qualifikationsniveau in der Kindertagespflege immer noch sehr niedrig – insbesondere im Vergleich zum Kita-Personal, das größtenteils eine dreijährige Fachschulausbildung abgeschlossen hat.

Die Länder: Niedriges Qualifikationsniveau in Bayern, Hamburg und Baden-Württemberg

Das Qualifikationsgefüge in der Kindertagespflege ist in den Ländern sehr heterogen. Die meisten Tagespflegepersonen mit fachpädagogischer Berufsausbildung arbeiteten im Jahr 2017 in Sachsen-Anhalt, Berlin und Hamburg, wobei Hamburg bei den Betreuungskräften mit geringer Qualifizierung ebenfalls zu den Spitzenreitern zählt – genauso wie Bayern und Baden-Württemberg. Dennoch ist zwischen 2006 und 2017 in allen Ländern ein Trend zur Höherqualifizierung festzustellen. Dabei ist vor allem der Anteil der Personen mit einem Qualifikationskurs im Umfang von 160 Stunden und mehr stark gestiegen: im Saarland etwa von 0% auf 78%, in Niedersachsen von 4% auf 60% und in Bremen von 2% auf 60%.

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Weiterführende Daten zu Bund und Ländern

Kindertagespflegepersonen
Tab. 3.7: nach Art der Qualifizierung 2006 und 2017 (Anzahl; in %)

Bundestrend: Kindertagespflege in anderen Räumen nimmt zu

Die meisten Kindertagespflegepersonen haben 2017 ihren Arbeitsplatz in der eigenen Wohnung. Ihr Anteil hat sich seit 2006 jedoch von 84 auf 71% reduziert. Im gleichen Zeitraum gewann die Kindertagespflege außerhalb der privat genutzten Räumlichkeiten an Bedeutung und stieg von 5 auf 24%. Tagespflegepersonen, die in einem solchen Setting tätig sind, betreuen im Durchschnitt die meisten Kinder. So lag die Anzahl betreuter Kinder pro Tagespflegeperson in anderen Räumlichkeiten 2017 bei 4,1 und ist damit im Vergleich zur entsprechenden Quote von 3,8 im Jahr 2006 weiter angestiegen.

Die Länder: Tagespflege in privaten Räumen geht in fast allen Ländern zurück

Die Tagespflege in der Privatwohnung der Tagespflegepersonen geht in allen Ländern außer Rheinland-Pfalz zurück. Die Anteile der Tagesmütter und -väter, die in der eigenen Wohnung arbeiteten, bewegten sich zwischen 33% und 42% in Sachsen-Anhalt und Hamburg sowie weit über 80% in Hessen und Rheinland-Pfalz. Auch die Tagespflege in der Wohnung des Kindes nahm zwischen 2006 und 2017 in der Mehrzahl der Länder ab.
Dagegen stieg in diesem Zeitraum in allen Ländern der Anteil der Tagesmütter und -väter, die in anderen Räumen tätig waren. In den ostdeutschen Ländern lagen die Personalanteile beträchtlich höher als diejenigen im Westen, obwohl auch dort deutliche Zuwächse zu verzeichnen sind.

Bundestrend: Tagesväter sind selten

In der Kindertagespflege arbeiten zumeist Frauen: Rund 96% des Personals in diesem Tätigkeitsfeld waren im Jahr 2017 Tagesmütter. Der Männeranteil (4%) in der Tagespflege unterschreitet damit die entsprechende Quote in Kindertageseinrichtungen um rund 2 Prozentpunkte. Im Vergleich zu 2006 hat sich der Anteil der Tagesväter geringfügig um einen Prozentpunkt erhöht.

Die Länder: Leichter Männerzuwachs in den Ländern

In den Ländern schwankt der Männeranteil am Personal in der Kindertagespflege 2017 zwischen 1% in Thüringen und 8% in Sachsen-Anhalt. Mit dieser Ausnahme lag der Männeranteil in der Kindertagespflege in allen Ländern etwas niedriger als in Kindertageseinrichtungen. In der großen Mehrzahl der Länder hat der Anteil der Tagesväter zwischen 2006 und 2017 zugenommen, am stärksten in Sachsen (+5 Prozentpunkte) sowie in Berlin und Sachsen-Anhalt (je +4 Prozentpunkte). Lediglich in zwei Ländern zeigte sich dieser Trend nicht: In Bayern stagnierte der Männeranteil an den Kindertagespflegepersonen in dieser Zeit weitgehend (-0,1 Prozentpunkte), während er in Rheinland-Pfalz leicht rückläufig war (-0,4 Prozentpunkte).

Bundestrend: Hohe Personalgewinne bei älteren Tagespflegepersonen

Im Unterschied zu den Kindertageseinrichtungen setzt die Tätigkeit in der Kindertagespflege keine abgeschlossene Berufsausbildung voraus und der Einstieg in das Feld erfolgt häufig in späteren Lebensjahren. Dementsprechend gering fiel der Anteil der Kindertagespflegepersonen unter 30 Jahren im Jahr 2017 mit 6% aus (Kita: 26%). Auffällig hoch war hingegen der Anteil der Tagesmütter und -väter im Alter von 50 Jahren und mehr an den Erwerbstätigen (Tagespflege: 41%; Kita: 29%). Seit 2006 sind die Personalgewinne in der Kindertagespflege bundesweit ausschließlich dieser Altersgruppe zu Gute gekommen.

Die Länder: Teils jede zweite Tagespflegeperson über 50 Jahre alt

Der Bundestrend lässt sich in allen Ländern beobachten. Zwischen 2006 und 2017 fielen die Personalzuwächse bei der Gruppe der 50-Jährigen und Älteren im Saarland (+28 Prozentpunkte) sowie in Brandenburg und Hamburg besonders hoch aus (mit jeweils +25 Prozentpunkten). Dennoch bestanden im Jahr 2017 weiterhin deutliche Unterschiede zwischen den Ländern: Während im Saarland, in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern zuletzt mindestens jede zweite Kindertagespflegeperson 50 Jahre und älter war, lagen die entsprechenden Anteile in Sachsen und Schleswig-Holstein bei gut einem Drittel.