Kita-Personal

In kaum einem Arbeitsmarktsegment spiegelt sich der soziale Wandel so komprimiert wie in der Frühen Bildung. Die Erwartungen an den Bildungsort Kita sind gestiegen, die Politik fördert Ausbau und Qualität der Einrichtungen. Dadurch erlebt das Berufsfeld Kindertageseinrichtung ein enormes Personalwachstum. Qualifizierte Fachkräfte in ausreichender Zahl und attraktive Arbeitsplätze sind wesentliche Voraussetzungen dafür, die gesetzten Ziele zu erreichen und das Arbeitsfeld künftig zu steuern. Deshalb beobachtet das Fachkräftebarometer Entwicklung und Lage des Kita-Personals. 

Bundestrend: Personalausbau setzt sich weiter fort

Mit bundesweit 785.700 Beschäftigten hat die Zahl der tätigen Personen in Kindertageseinrichtungen im Jahr 2020 einen neuen Höchststand erreicht. Allein in der wachstumsintensivsten Phase zwischen 2006 und 2020 sind rund 370.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (+89%) neu eingestellt worden. Ein vergleichbarer Beschäftigungszuwachs zeigt sich in diesem Zeitraum auch beim pädagogischen und leitenden Personal (+92%), das mit zuletzt etwa 675.600 den weitaus größten Anteil (86%) am Kita-Personal ausmacht.

Ein wesentlicher Impuls für den Personalausbau kam durch die Erweiterung des Rechtsanspruchs im Jahr 2013. Seitdem haben ein- und zweijährige Kinder das Recht auf einen Betreuungsplatz in Kita oder Tagespflege.

Die Länder: Stärkeres Wachstum im Westen

Aufgrund der ungleichen Ausgangslange in West- und Ostdeutschland ist das Personalwachstum unterschiedlich stark ausgefallen. In den westlichen Ländern sind zwischen 2006 und 2020 rund 293.400 Beschäftigte (+89%) hinzugekommen, die meisten in Bayern (+127%), Hamburg (+116%) und Baden-Württemberg (+109%).

In den östlichen Flächenländern wurde nach der Deutschen Einheit zunächst in großem Umfang Personal abgebaut. Seit 2006 steigen die Beschäftigtenzahlen jedoch wieder. Insbesondere in Berlin und Brandenburg ist die Anzahl der tätigen Personen zwischen 2006 und 2020 um 108 bzw. 81% gestiegen.

 

Bundestrend: Zwei Drittel arbeiten bei einem freien Träger

Zwei Drittel des pädagogisch und leitend tätigen Personals in Kindertageseinrichtungen arbeiteten 2020 bei freien Trägern, zu denen neben freigemeinnützigen auch vereinzelt privatgewerbliche Träger zählen. Seit 2006 hat der Anteil der Beschäftigten in Einrichtungen in freier Trägerschaft geringfügig zugenommen. Dennoch ist das Verhältnis zwischen Tätigen bei öffentlichen und freien Trägern bundesweit im Wesentlichen stabil geblieben. Vom starken Personalausbau haben alle Einzelträger profitiert, wenn auch in unterschiedlichem Umfang. Die meisten neuen Arbeitsplätze wurden zwischen 2007 und 2020 von den öffentlichen und den sonstigen freigemeinnützigen Trägern jenseits der Wohlfahrtsverbände geschaffen (+98.330 bzw. +51.750). Letztere hatten – nach der kleinen Gruppe der privatgewerblichen Träger – zugleich den höchsten Zuwachs (+138%).

Die Länder: Wachsende Bedeutung der freien Träger in Ostdeutschland

Auf Landesebene lassen sich deutliche Unterschiede im Trägergefüge erkennen: In Brandenburg und Sachsen-Anhalt hat jeweils rund die Hälfte der pädagogisch und leitend Tätigen einen öffentlichen Arbeitgeber. Hingegen beschäftigen die freien Träger in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin über 80% des Personals. Das Verhältnis zwischen freien und öffentlichen Trägern entspricht in den ostdeutschen Ländern inzwischen weitgehend den westdeutschen Strukturen.

Innerhalb der Länder sind die Personalanteile der einzelnen Trägergruppen ganz unterschiedlich hoch: In Bayern und im Saarland bilden im Jahr 2020 etwa die katholischen Träger die größte Gruppe, in Schleswig-Holstein beschäftigen die evangelischen Träger das meiste Personal. In Hamburg und Berlin sind hingegen die sonstigen gemeinnützigen Träger die größten Arbeitgeber, während in Mecklenburg-Vorpommern der Paritätische den größten Personalanteil hat.

Bundestrend: Stärkeres Wachstum bei anteilig freigestellten Leitungen

Kita-Leitungen übernehmen eine Schlüsselposition für die Qualitätsentwicklung im System der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung. Bundesweit wurden 2020 rund 60.750 Leitungskräfte gezählt. Das sind knapp 37.400 (bzw. +56%) mehr als 2011. Allerdings hat die Anzahl der Leitungen, die sich ausschließlich mit Führungsaufgaben befassen, nur um 33% (bzw. +6.500 neue Leitungen) zugenommen. Die Mehrzahl der Einrichtungsleitungen ist nur anteilig vom Gruppendienst freigestellt: Bei diesen Leitungskräften ist zwischen 2011 und 2020 ein Zuwachs um 96% Prozent zu verzeichnen (bzw. +16.900 Leitungen). Im gleichen Zeitraum ist der Anteil der vollständig freigestellten Einrichtungsleitungen bundesweit zurückgegangen.

Die Länder: Die meisten vollständig freigestellten Leitungen in Hamburg und im Saarland

Obgleich die Freistellung der Kita-Leitungen im Ländervergleich außerordentlich uneinheitlich gehandhabt wird, spiegelt sich der skizzierte Bundestrend in fast allen Ländern wieder. Die meisten Leitungen waren zuletzt in Hamburg (79%), im Saarland (71%) und in Bremen (67%) für ihre Führungs- und Managementtätigkeit vom Gruppendienst vollständig freigestellt. Demgegenüber ist der Anteil der Leitungskräfte, die in der Kita zusätzliche Aufgaben wahrnehmen, in Bayern (80%) und Baden-Württemberg (74%) am höchsten.

Bundestrend: Weitgehend sichere Jobs im Berufsfeld

Bundesweit arbeiteten im Jahr 2020 lediglich 12% der pädagogisch und leitend Tätigen in einem befristeten Arbeitsverhältnis. Ihr Anteil ist seit 2015 (15%) leicht rückläufig

Die Länder: Mehr befristete Arbeitsverhältnisse im Westen

Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt wich der Anteil befristeter Arbeitsverhältnisse in den Ländern teils deutlich ab: So schwankte im Jahr 2020 der Anteil der Beschäftigten mit einem befristeten Arbeitsvertrag zwischen 5% und 8% in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sowie jeweils 15% in Nordrhein-Westfalen und Bayern. Insgesamt war die Befristungsquote in den ostdeutschen Ländern mit 8% niedriger als in den westdeutschen Ländern mit 13%.

Bundestrend: Der überwiegende Anteil der Beschäftigten in der Frühen Bildung arbeitet in Teilzeit

Bundesweit arbeiteten im Jahr 2020 knapp 407.000 pädagogisch und leitend Tätige (und damit 60% des Personals) in Teilzeit, d.h.unter 38,5 Stunden pro Woche. Dahingegen hatten lediglich 268.900 (40%) eine volle Stelle. Dieses Verhältnis hat sich zwischen 2007 und 2020 kaum verändert, obgleich im Zuge des Kitaausbaus 187.620 (+86%) Arbeitskräfte in Teilzeit und 124.900 (+87%) in Vollzeit neu eingestellt wurden. Insgesamt ist die durchschnittliche Wochenarbeitszeit in diesem Zeitraum von 31,3 auf 31,7 Wochenstunden leicht angestiegen.

Die Länder: Mehr Vollzeitbeschäftigte in Westdeutschland

In Westdeutschland arbeiten gegenwärtig etwa 43% der Beschäftigten in der Frühen Bildung in Vollzeit, während der entsprechende Wert in Ostdeutschland bei rund 29% liegt. In Ostdeutschland arbeitet der Großteil der Beschäftigten in vollzeitnahen Beschäftigungsverhältnissen (32 bis unter 38,5 Std.).

Auch im Ländervergleich zeigen sich Unterschiede im Hinblick auf den Beschäftigungsumfang. So arbeiteten in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2020 mehr als die Hälfte der pädagogischen und leitenden Mitarbeiter in einem Vollzeitarbeitsverhältnis (52%), während es in Brandenburg nur etwa 19% sind.