Kita-Personal

In kaum einem Arbeitsmarktsegment spiegelt sich der soziale Wandel so komprimiert wie in der Frühen Bildung. Die Erwartungen an den Bildungsort Kita sind gestiegen, die Politik fördert Ausbau und Qualität der Einrichtungen. Dadurch erlebt das Berufsfeld Kindertageseinrichtung ein enormes Personalwachstum. Qualifizierte Fachkräfte in ausreichender Zahl und attraktive Arbeitsplätze sind wesentliche Voraussetzungen dafür, die gesetzten Ziele zu erreichen und das Arbeitsfeld künftig zu steuern. Deshalb beobachtet das Fachkräftebarometer Entwicklung und Lage des Kita-Personals. 

Bundestrend: Personalausbau setzt sich weiter fort

Mit knapp 700.000 tätigen Personen hat die Zahl der tätigen Personen in Kindertageseinrichtungen im Jahr 2017 einen neuen Höchststand erreicht. Allein in der wachstumsintensivsten Phase zwischen 2006 und 2017 sind über 277.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (+67%) neu eingestellt worden. Ein vergleichbarer Beschäftigungszuwachs zeigt sich in diesem Zeitraum auch beim pädagogischen und leitenden Personal (+68%), das mit zuletzt knapp 594.000 den weitaus größten Anteil (86%) am Kita-Personal ausmacht.

Ein wesentlicher Impuls für den Personalausbau kam durch die Erweiterung des Rechtsanspruchs auf einen Kindergartenplatz im Jahr 2013. Seitdem haben ein- und zweijährige Kinder das Recht auf einen Betreuungsplatz in Kita oder Tagespflege.

Die Länder: Stärkeres Wachstum im Westen

Aufgrund der ungleichen Ausgangslange in West- und Ostdeutschland ist das Personalwachstum unterschiedlich stark ausgefallen. In den westlichen Flächenländern sind zwischen 2006 und 2017 rund 226.000 Beschäftigte (+71%) hinzugekommen, die meisten in den bevölkerungsreichen Ländern Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. Den stärksten prozentualen Personalzuwachs hatten in diesem Zeitraum Bayern (+97%) und  Baden-Württemberg (87%).

Anders als in den westlichen wurde in den östlichen Flächenländern nach der Deutschen Einheit zunächst in großem Umfang Personal abgebaut. Seit 2006 steigen die Beschäftigtenzahlen jedoch wieder. Insbesondere in Brandenburg und Sachsen ist die Anzahl der tätigen Personen zwischen 2006 und 2017 um 56 bzw. 55% gestiegen.

Bundestrend: Zwei Drittel arbeiten bei einem freien Träger

Mehr als zwei Drittel der tätigen Personen in Kindertageseinrichtungen arbeiteten 2016 bei freien Trägern, zu denen neben freigemeinnützigen auch vereinzelt privatgewerbliche Träger zählen. Seit 2006 hat der Anteil der Beschäftigten in Einrichtungen in freier Trägerschaft geringfügig zugenommen. Dennoch ist das Verhältnis zwischen Tätigen bei öffentlichen und freien Trägern bundesweit im Wesentlichen stabil geblieben. Vom starken Personalausbau haben alle Einzelträger profitiert, wenn auch in unterschiedlichem Umfang. Die meisten neuen Arbeitsplätze wurden zwischen 2006 und 2016 von den öffentlichen und den sonstigen freigemeinnützigen Trägern jenseits der Wohlfahrtsverbände geschaffen (+69.200 bzw. +46.300). Letztere hatten zugleich den höchsten prozentualen Zuwachs (+121%).

Die Länder: Wachsende Bedeutung der freien Träger in Ostdeutschland

Auf Landesebene lassen sich deutliche Unterschiede im Trägergefüge erkennen: In Brandenburg und Sachsen-Anhalt hat jeweils rund die Hälfte der tätigen Personen einen öffentlichen Arbeitgeber. Hingegen beschäftigen die freien Träger in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern 99 bzw. 87% des Personals. Im Vergleich zu 2006 sind die Personalanteile der freien Träger in fast allen ostdeutschen Flächenstaaten und Berlin weiter gewachsen. Das Verhältnis zwischen freien und öffentlichen Trägern entspricht in den ostdeutschen Ländern inzwischen weitgehend den westdeutschen Strukturen.

Innerhalb der Länder sind die Personalanteile der einzelnen Trägergruppen ganz unterschiedlich hoch: In Bayern und im Saarland bilden im Jahr 2016 etwa die katholischen Träger die größte Gruppe, in Schleswig-Holstein beschäftigen die evangelischen Träger das meiste Personal. In Hamburg und Berlin sind hingegen die sonstigen gemeinnützigen Träger die größten Arbeitgeber, während in Mecklenburg-Vorpommern der Paritätische den größten Personalanteil hat.

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Weiterführende Daten zu Bund und Ländern

Tätige Personen in Kindertageseinrichtungen
Tab. 1.7: nach Trägern 2006 und 2016 (Anzahl)
Tab. 1.8: nach Trägern (in %; Veränderung absolut und in %)

Bundestrend: Gut 25.000 mehr rechnerische Vollzeitstellen in den Gruppen für Kinder unter drei Jahren

Der Ausbau der Angebote für Kinder unter drei Jahren macht sich auch in den Aufgabenbereichen und Tätigkeitsfeldern des pädagogischen Personals bemerkbar. Die meisten Personalressourcen binden nach wie vor die  erweiterten Kindergartengruppen (mit und ohne Zweijährige): Auf diesen Bereich entfallen rund 213.800 rechnerische Vollzeitstellen. Das entspricht einem Zuwachs von 31.800 im Vergleich zum Jahr 2011. Ein wachsender Anteil des Personals ist jedoch in Gruppen für Kinder unter drei Jahren tätig. Zwischen 2011 und 2016 stieg die Anzahl rechnerischer Vollzeitstellen in diesem Bereich bundesweit um gut 25.000 auf 54.300 (+87%). Dieser überdurchschnittliche Anstieg bildet sich auch in den zunehmenden Personalanteilen ab (2011: 9%; 2016: 13%). Im gleichen Zeitraum sind die entsprechenden Werte bei den erweiterten Kindergartengruppen zurückgegangen.

Die Länder: Trend zu mehr Personal in U3-Gruppen

Die Verteilung der Personalressourcen auf die verschiedenen Aufgabengebiete stellt sich auf Länderebene sehr unübersichtlich dar. Als übergeordneter Trend zeichnet sich – wie auch im Bundesgebiet insgesamt – ein Anstieg der Vollzeitäquivalente in Gruppen für Kinder unter drei Jahren ab. Daneben sinkt in den meisten Ländern der Anteil rechnerischer Vollzeitstellen in den erweiterten Kindergartengruppen.

Bundestrend: Stärkeres Wachstum bei anteilig freigestellten Leitungen

Kita-Leitungen übernehmen eine Schlüsselposition für die Qualitätsentwicklung im System der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung. Bundesweit wurden 2016 rund 53.800 Leitungskräfte gezählt. Das sind gut 15.000 (bzw. +41%) mehr als 2011. Allerdings hat die Anzahl der Leitungen, die sich ausschließlich mit Führungsaufgaben befassen, nur um 11% (bzw. +2.200 neue Leitungen) zugenommen. Nach wie vor ist die Mehrzahl der Einrichtungsleitungen nur anteilig vom Gruppendienst freigestellt: Bei diesen Leitungskräften ist zwischen 2011 und 2016 ein Zuwachs um 75% Prozent zu verzeichnen (bzw. +13.200 Leitungen). Im gleichen Zeitraum ist der Anteil der vollständig freigestellten Einrichtungsleitungen bundesweit zurückgegangen.

Die Länder: Die meisten vollständig freigestellten Leitungen in Hamburg und Bremen

Obgleich die Freistellung der Kita-Leitungen im Ländervergleich außerordentlich uneinheitlich gehandhabt wird, spiegelt sich der skizzierte Bundestrend in fast allen Ländern wieder. Hiervon weichen lediglich die Bundesländer Bremen und Berlin ab, in denen sich der Anteil der gänzlich freigestellten Leitungskräfte zwischen 2011 und 2016 moderat erhöht hat.
Die meisten Leitungen waren zuletzt in Hamburg (78%) und Bremen (69%) für ihre Führungs- und Managementtätigkeit vom Gruppendienst vollständig freigestellt. Demgegenüber ist der Anteil der Leitungskräfte, die in der Kita zusätzliche Aufgaben wahrnehmen, in Bayern (83%) und Sachsen-Anhalt (81%) am höchsten.